Von Strenge zu Sanftheit: Meine 8-jährige Meditations-Journey

Vor acht Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal einen Blogartikel über meine Meditationspraxis schreibe. Damals steckte ich mitten in meiner Yoga-Ausbildung bei Romy und hielt Yoga vor allem für eine körperliche Praxis. Dehnen, Kraft aufbauen, schwitzen. Dass Meditation Teil des achtgliedrigen Pfads ist, wusste ich schlicht nicht.

Heute, acht Jahre später, ist Meditation der Teil meiner Praxis, auf den ich fast noch weniger verzichten kann als auf Asana. Wie es dazu kam, und warum der Weg dorthin alles andere als geradlinig war, erzähle ich dir in diesem Artikel. Ich möchte dir Lust machen, deine eigene Praxis zu entwickeln, egal ob du gerade erst anfängst oder schon lange sitzt.


Warum Meditation nicht so aussieht, wie wir sie uns vorstellen

Während der Ausbildung meditierten wir immer wieder am Wochenende gemeinsam in der Gruppe. Genau dort begann meine eigene, kleine tägliche Praxis: mal in Stille, mal mit geführten Meditationen. Für Letztere nutze ich bis heute super gerne die Insight Timer App, weil sie einen Gong hat und eine riesige Auswahl an Meditationen bietet, kostenlos.

Viele Menschen kommen mit einem bestimmten Bild zum ersten Mal auf das Kissen: ruhig sitzen, Gedanken verschwinden, Stille. Und dann passiert das Gegenteil. Der Einkaufszettel taucht auf. Das Gespräch von gestern. Die Frage, ob man es überhaupt richtig macht.

Das ist kein Zeichen, dass Meditation nicht funktioniert. Das ist Meditation. Der Geist wandert, du bemerkst es, du kehrst zurück. Dieses Zurückkehren, immer wieder und ohne Urteil, ist die eigentliche Praxis.


Was sich verändert, wenn du regelmäßig meditierst

Während meiner Yoga Grundausbildung vertiefte ich meine Meditationspraxis bei einer zehntägigen Immersion in Indien, bei Shivam im Upper Dharamsala, gemeinsam mit einer engen Freundin. Jeden Tag eine Stunde in Stille am Morgen und einer Stunde am Nachmittag, mit immer derselben Musik von einer CD. Davor jeweils eine Stunde Asana Praxis.

Am Anfang kam mir die Stunde endlos lang vor. Ich erinnere mich noch genau an das Gefühl, wie langsam die Zeit verging, wenn ich nur dasaß und dem immer gleichen Klang und mir selbst zuhörte. Doch je länger die Immersion dauerte, desto schneller verging diese Stunde. Das war für mich der erste konkrete Beweis, dass sich durch Regelmäßigkeit tatsächlich etwas verändert, nicht abstrakt, sondern spürbar im eigenen Zeitgefühl. Meditation ist wie ein Muskel, den wir trainieren können.


Die ehrlichen Auf und Abs einer Meditationspraxis

Ich wäre unehrlich, wenn ich nur von den leichten Phasen erzählen würde.

Ein bisschen später entschied ich mich für mein erstes Vipassana: zehn Tage Schweigen, zehn Stunden Meditation pro Tag. Kein Handy, kein Buch, nichts zu schreiben. Nur meditieren, vielleicht ein achtsamer Spaziergang dazwischen, achtsam essen. Danach versuchte ich, diese Intensität im Alltag zu halten, eine Stunde morgens, eine Stunde abends in Stille, im strengen Schneidersitz. Es funktionierte nicht. Mein damaliges Leben ließ das schlicht nicht zu, zumal ich parallel Ashtanga Yoga praktizierte, ebenfalls fordernd und zeitintensiv. Diese Disziplin hatte ihren Preis: chronische Rückenschmerzen, die mir irgendwann deutlich zeigten, dass Strenge allein keine gute Praxis macht.

Mein eigentliches Learning kam erst später, und es hat meine Praxis von Grund auf verändert. Aus der einen Stunde morgens und einer Stunde abends im Schneidersitz wurde eine halbe Stunde am Tag, oft angelehnt statt kerzengerade, mit einem warmen Matcha in der Hand, häufig an schönen Orten draußen. Statt Strenge und Leistungsdenken ist da heute ganz viel Sanftheit und Mitgefühl mir selbst gegenüber. Der Kontrast zu meiner früheren, stark disziplinierten Praxis könnte kaum größer sein, und genau diese Weichheit tut mir inzwischen deutlich besser. Meine Meditationspraxis ist der Teil des Tages, auf den ich mich mit am meisten freue. Mitten am Tag schließe ich gedanklich alle Tabs und erlaube mir mal nichts zu tun.

Natürlich gibt es auch heute Tage, an denen meine Gedanken laut sind, der Rücken zwickt und ich nur kurz, manchmal gar nicht, mit meinem Geist auf ein Objekt ausgerichtet bin. Auch das zählt als Meditation. E zeigt mir nur, wie sehr ich sie an genau diesem Tag brauche. Wenn ich nicht meditiere, bin ich weniger gelassen im Alltag, schneller angespannt, gereizt und irgendetwas fehlt einfach. Mittlerweile kann ich auf diese Praxis fast noch weniger verzichten als auf die physische Asana Praxis.


Struktur als Einladung: Wie eine Praxis wächst

Was hilft, wenn du eine Meditationspraxis aufbauen oder vertiefen möchtest?

  1. Fang klein an. Fünf Minuten täglich schlagen zwanzig Minuten dreimal pro Woche. Regelmäßigkeit ist wichtiger als Dauer.

  2. Wähle einen festen Ort und eine feste Zeit. Morgens, bevor der Tag beginnt, ist für viele Menschen am einfachsten.

  3. Lass die Technik variieren. Atembeobachtung, Body-Scan, geführte Meditationen, stilles Sitzen. Was heute passt, muss morgen nicht passen.

  4. Führe kein Protokoll über Erfolg und Misserfolg. Es gibt keine schlechte Meditation. Auch der rastlose Geist zeigt dir etwas.

  5. Such dir Begleitung, wenn du allein nicht dranbleibst. Ich habe lange auf einen Meditationslehrer gewartet und lange niemanden gefunden. Seit zwei Jahren bin ich nun mit Romy in Carlos‘ Online Meditations Community. Inzwischen bin ich sehr froh, Teil dieser täglichen Gemeinschaft zu sein, und ich habe meine Freude am Meditieren noch einmal neu entdeckt.

Dieser letzte Punkt ist nicht zu unterschätzen. Ich habe meine eigene Praxis durch Gemeinschaft tiefer entwickelt als durch jede App allein. Wenn andere Menschen zur gleichen Zeit sitzen, trägt das etwas. Das Feld verändert sich.


Meditation und Yoga als ganzheitliche Praxis verbinden

Wenn du Yoga als ganzheitliche Praxis lebst, wirst du merken, dass Meditation keine separate Disziplin ist. Sie ist das, was entsteht, wenn du die Stille, die du auf der Matte berührst, in den Alltag mitträgst.

Die Yamas und Niyamas der Yogaphilosophie, Ahimsa, Svadhyaya, Santosha, sind keine abstrakten Regeln. Sie werden lebendig, wenn du anfängst, deinen eigenen Geist zu beobachten. Meditation ist der Raum, in dem das passiert.

In diesem Artikel habe ich drei geführte Meditationen für dich gesammelt, die ich selbst übe.


Eine Einladung: Gemeinsam tiefer in die Praxis

Wenn du auch deine Meditationspraxis vertiefen möchtest: Unser Meditation Circle beginnt gerade. Romy und ich begleiten dich über zwölf Wochen beim Aufbau und bei der Vertiefung deiner regelmäßigen Meditationspraxis.

Der Kurs ist für alle geeignet, die schon mal meditiert haben, aber das Gefühl haben, allein nicht wirklich weiterzukommen. Kein Perfektionismus, kein Leistungsdruck. Ein Raum, in dem jede Person die Freiheit hat, dort anzufangen, wo sie gerade ist.

Mach dir diesen Herbst ein Geschenk: Ruhe und Klarheit im Alltag. Hier gehts zum Meditation Circle mit Romy und mir.

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