Warum fällt der Abschied vom Sommer manchmal so schwer?

Der Sommer ist vorbei, aber nicht wirklich. Ende August merke ich es an den Abenden, die früher dunkel werden, und an der Art, wie das Licht jetzt schräg durch die Fenster fällt: goldener, weicher, ein bisschen melancholisch. Noch ist es warm. Noch riecht es nach Sommer. Aber etwas hat sich verschoben, ganz leise, fast unbemerkt.

Diese Schwelle zwischen August und September ist ein besonderer Moment im Jahr. Dieser Übergang lädt ein, innezuhalten, zurück zu schauen und sich dann mit frischen Wind für den Beginn des Herbstes auszurichten. Die Idee hinter dieser Monatsreflexion: kein Abhaken, kein Auswerten, kein Leistungsvergleich. Ein liebevolles Hinschauen auf das, was war, und ein neugieriges Öffnen für das, was kommt.


Was der August hinterlässt

Sommer ist nie nur schön. Er ist laut, manchmal erschöpfend, voller Erwartungen. Urlaub, Freude, Leichtigkeit klingt herrlich. Aber manchmal ist der Sommer für mich auch das: zu heiß, zu viel vorgenommen, zu wenig Struktur, zu viele Menschen auf einmal.

Ich finde es wichtig, das anzuerkennen. Vielleicht war dein August chaotisch. Vielleicht hast du deine Yogapraxis vernachlässigt, weil einfach viel gleichzeitig passiert ist. Vielleicht hast du Dinge geschoben, die du dir vorgenommen hattest. Das gehört dazu.

Und gleichzeitig: Was hat dieser Sommer dir gegeben? Welche Momente waren wirklich gut? Welche Begegnungen haben etwas in dir bewegt? Welche Abende waren so schön, dass du sie festhalten wolltest?

Ich denke an die Hitze in deutschen Städten und Brände in Europa während der Sommermonate, eine Erfahrung, die viele von uns intensiver spüren als noch vor Jahren. Die Klimarealität ist kein Hintergrundrauschen mehr. Sie ist spürbar, direkt, in unserem Alltag. Und sie darf in dieser Reflexion vorkommen, weil sie zu unserem Sommergefühl gehört. Trauer darüber ist keine Schwäche, sie ist eine ehrliche Antwort auf das, was wir erleben.


Sommer-Wehmut als Praxis

Es gibt dieses japanische Wort: Mono no Aware – die sanfte Melancholie der Dinge, die vergehen. Das Kirschblüten-Gefühl. Schön, weil vergänglich.

Der Abschied vom Sommer trägt genau diese Qualität. In der Yogaphilosophie kennen wir Aparigraha, das Loslassen, das Nicht-Festhalten. Weil Festhalten das Schöne nicht zurückbringt und uns gleichzeitig den jetzigen Moment entgehen lässt.

September hat eine eigene Schönheit: Nebelmorgen, an denen die Wiesen dampfen. Das erste Mal, dass man abends eine Decke braucht. Äpfel, die reifen. Die Stille, die zurückkommt, wenn die Schulferien vorbei sind. Ich mag diese Jahreszeit sehr – weil die Vergänglichkeit mich daran erinnert, dass Übergänge keine Verluste sind. Sie sind Einladungen.


Journaling-Fragen für den Übergang

Wenn du dir Zeit nehmen möchtest, diese Schwelle bewusst zu gestalten, hier sind ein paar Fragen. Nimm dir ein Notizbuch, einen ruhigen Moment, vielleicht eine Tasse Tee oder Matcha und schreib, was kommt. Ohne Zensur, ohne Anspruch. Wenn dich eine Frage nicht anspricht, lass sie einfach weg.

Rückblick August:

  1. Was hat dieser Sommer mir wirklich gegeben?

  2. Welcher Moment war unerwartet schön?

  3. Was darf ich loslassen, was ich mir für den Sommer vorgenommen hatte und nicht umgesetzt habe?

  4. Wo habe ich mich selbst gut begleitet, und wo hätte ich mehr Fürsorge gebraucht?

  5. Was hat mir der Sommer über meine Bedürfnisse gezeigt?

Ausrichtung September:

  1. Welches Wort oder welches Bild soll meinen September tragen?

  2. Was möchte ich diesen Monat tiefer erkunden (in meiner Praxis, in meinen Beziehungen, in mir selbst)?

  3. Welche eine Gewohnheit möchte ich bewusst (wieder) einführen?

  4. Wofür bin ich gerade dankbar, auch wenn es klein ist?

  5. Worauf freue ich mich im September?


Was der September bringen kann

September ist für mich der Monat des Neubeginns – mehr noch als Januar. Der Herbst hat eine Ernsthaftigkeit, die ich schätze. Eine Einladung, nach Innen zu gehen. Wieder Struktur zu finden. Die Morgenroutine zu reaktivieren, die im Sommer vielleicht eingeschlafen ist.

Am 23. September erwartet uns die Tag-und-Nacht-Gleiche des Herbstes, ein wunderschöner Orientierungspunkt im Jahr. Ab diesem Tag, wird die Nacht länger andauern als der Tag und am 21. Dezember den Wendepunkt erfahren.

In der Yogapraxis erlebe ich das jedes Jahr: Nach dem Sommer kommt eine neue Konzentration. Die Matte fühlt sich wieder vertrauter an. Die Stille am Morgen hat eine andere Qualität, als würde der Körper von selbst nach innen kehren wollen, wenn die Tage kürzer werden.

Das ist kein Zufall. Die Gunas wechseln sich ab: Rajas (Bewegung, Feuer, Sommer) und Tamas (Rückzug, Dunkelheit, Herbst). Jetzt beginnt die Tamas-Qualität langsam zu wachsen. Das ist keine Traurigkeit. Das ist Natur. Wenn du spürst, dass du dich nach mehr Stille sehnst, nach tieferen Gesprächen, nach Verbindung und Gemeinschaft, dann hör darauf. Das ist Weisheit.

Der schönste Gedanke für den September: Du musst den Sommer nicht festhalten. Du darfst ankommen. Hier. Jetzt. In dieser neuen Jahreszeit, die gerade beginnt.



Wie war dein August? Ich freue mich, wenn du mir erzählst, was dich bewegt hat, in den Kommentaren oder per Nachricht. Und wenn du deine Praxis im Herbst vertiefen möchtest: Schau gerne in meine Online Yogakurse mit Krankenkassenzuschuss und das bald erscheinende Meditationsprogramm mit Romy – der Herbst ist ein wunderbarer Zeitpunkt, um (wieder) anzufangen.

Bereit für deine Praxis?

Komm auf die Matte

Krankenkassenzertifizierte Online-Yogakurse mit persönlicher Betreuung — live von zuhause, bis zu 100 % erstattet.

Kurse ansehen

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren