Yoga im inneren Herbst

Ich bin gerade mit meiner Familie im Urlaub in Frankreich. Die Sonne scheint, das Meer glitzert und eigentlich ist alles gut.

Und trotzdem wache ich morgens auf und fühle mich irgendwie… nicht ganz wie ich selbst. Ich bin müde. Ein bisschen dünnhäutig. Irgendwie aus der Balance.

Also kuschle ich erstmal mit Lila, bevor ich meinen Partner frage, ob wir den Tag vielleicht etwas langsamer angehen können. Anschließend rolle ich meine Yogamatte aus. Normalerweise liebe ich dynamische Klassen. Heute merke ich schon beim ersten Sonnengruß: Mein Körper möchte etwas anderes.

Zum Glück kenne ich inzwischen meine Alternativen. Weniger Kraft. Mehr Atmung. Weniger Powern. Mehr Zuhören.

Später am Vormittag passiert es dann. Ich schaue ein Reel über einen geretteten Hund, der sich nach langer Zeit zum ersten Mal an seinen Pflegepapa kuschelt. Und plötzlich laufen die Tränen. Nicht ein oder zwei. So richtig. Da muss ich lachen. Gestern war noch alles wunderbar. Heute fühle ich mich, als hätte mein Herz beschlossen, auf „Extra sensibel“ umzuschalten. Es gibt keinen Zweifel: Hallo, luteale Phase! Hallo, innerer Herbst! Hallo PMS! Hallo „Ich-bin-mir-sicher,-dass-mich-niemand-liebt,-obwohl-übermorgen-wieder-alles-gut-ist“-Ich. 😉

Was passiert eigentlich in der lutealen Phase?

Die luteale Phase beginnt nach dem Eisprung und endet mit dem Beginn der Menstruation.

In dieser Zeit produziert der Gelbkörper das Hormon Progesteron. Bleibt eine Schwangerschaft aus, sinkt der Progesteronspiegel zusammen mit dem Östrogen wieder ab. Genau diese hormonellen Veränderungen können dazu führen, dass wir empfindlicher, müder oder emotionaler sind. Manche erleben Heißhunger, andere schlafen schlechter oder fühlen sich schneller überfordert.

Jeder Zyklus ist anders und jede menstruierende Person erlebt diese Phase unterschiedlich. Mir hilft es sehr zu wissen: Ich bin nicht „falsch“.Mein Körper arbeitet gerade.

Was Yoga in meinem inneren Herbst verändert

Früher habe ich versucht, genauso weiterzumachen wie immer.

Heute weiß ich: Mein Körper spricht mit mir. Und Yoga hilft mir dabei, zuzuhören.

Gestern bin ich mit meinem Bruder lange spazieren gegangen. Keine sportliche Höchstleistung. Einfach Bewegung an der frischen Luft. Das hat unglaublich gutgetan.

Ich versuche mich weiterhin zu bewegen, aber ohne Leistungsdruck.

In dieser Zyklusphase liebe ich:

  • Yin Yoga
  • Yoga Nidra
  • sanfte Hüftöffner
  • restorative Haltungen
  • längere Atemübungen

Und wenn ich mich selbst für eine sitzende Meditation zu müde fühle? Dann meditiere ich eben im Liegen. Das ist immer noch Meditation.

Ich versuche, den Druck herauszunehmen. Denn obwohl ich in anderen Zyklusphasen intensive Yogapraxis liebe, fühlt sich mein Körper jetzt nach etwas anderem. Und genau das ist für mich Yoga. Nicht jeden Tag dieselbe Leistung abzurufen, sondern jeden Tag neu zuzuhören.

Wenn ich Zeit für mich habe, lese ich gerne oder schreibe. Und wenn nicht? Dann ist das eben auch okay. Das Leben ist kein Instagram-Feed. Es muss nicht alles perfekt laufen.

Bitte mach dir auch mit Zyklusbewusstsein keinen zusätzlichen Druck.

Ernährung, die mir in dieser Phase guttut

Ich merke jedes Mal, dass bestimmte Lebensmittel mir helfen. Natürlich reagiert jeder Körper unterschiedlich. Das hier ersetzt keine medizinische Beratung, sondern sind Dinge, die mir persönlich guttun.

Ich achte besonders auf:

  • magnesiumreiche Lebensmittel wie Kürbiskerne oder Vollkornprodukte
  • Vitamin-B6-reiche Lebensmittel wie Bananen
  • komplexe Kohlenhydrate, zum Beispiel Quinoa, damit mein Blutzucker möglichst stabil bleibt
  • Kakao – am liebsten Rohkakao oder dunkle Schokolade
  • Kräutertees wie Brennnessel oder Löwenzahn

Außerdem löse ich mir manchmal Magnesiumcitrat in Mineralwasser auf. Meine kleine „Gewinner*innenschorle“, die ich gerne nach dem Laufen trinke oder im inneren Herbst. 😉

Koffein lasse ich in dieser Zeit meistens weg. Alkohol trinke ich ohnehin nicht.

Das Geschenk des inneren Herbstes

So herausfordernd diese Phase manchmal sein kann – sie hat auch wunderschöne Seiten.

Gerade sitze ich nach meiner Morgenpraxis mit meinem Frühstück hier und schreibe diesen Artikel. Die Worte fließen einfach. Ich fühle mich kreativ.

Außerdem fällt es mir erstaunlich leicht, organisatorische Dinge zu erledigen. Buchhaltung. Korrekturlesen. Den Kleiderschrank ausmisten. Putzen. Alles, was sonst eben gerne liegen bleibt.

Und manchmal bringt diese Phase noch etwas anderes mit. Dinge, die ich im Alltag erfolgreich verdränge. Plötzlich sind sie da. Nicht immer angenehm. Aber ehrlich. Vielleicht steckt genau darin eine Einladung zur Yoga-Praxis des Satya, der Wahrhaftigkeit. Hinzuschauen. Nicht alles sofort lösen zu müssen. Aber ehrlich mit sich selbst zu sein.

Wenn meine luteale Phase sprechen könnte

Sie würde wahrscheinlich nur ein Wort sagen:

PAUSE.

Nicht für immer. Nur für einen Moment. Denn ich weiß: In wenigen Tagen werde ich wieder voller Energie sein. Meine To-do-Liste darf also ruhig kurz mit mir Pause machen.

Und falls du das gerade hören musst

🩷 Du darfst soziale Verabredungen absagen.

🩷 Du wirst geliebt – auch wenn es sich heute vielleicht nicht so anfühlt.

🩷 Gefühle kommen und gehen.

🩷 Sei heute besonders freundlich zu dir selbst.

Wir sitzen alle nicht nur im selben Boot. Manchmal sitzen wir sogar gemeinsam im inneren Herbst. Und vielleicht besteht Yoga genau darin, sich auch dort liebevoll zu begegnen.

Meine Buchempfehlungen

Wenn du dich intensiver mit dem Thema Zyklus beschäftigen möchtest, kann ich dir diese beiden Bücher sehr empfehlen:

  • Moving with the Moon von Anna Davis
  • Period. Dein Zyklus von Hannah Pehlgrimm

Beide haben mir geholfen, meinen Körper besser zu verstehen und meine Yogapraxis noch mehr an meinen eigenen Rhythmus anzupassen.

Vielleicht ist genau das die größte Erkenntnis:

Yoga bedeutet nicht, jeden Tag gleich zu sein. Yoga bedeutet, jeden Tag dort zu beginnen, wo du gerade bist.

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